Agenturtypen

Retail-Media-Netzwerke und Agenturen: Wem gehört das Budget wirklich?

Retail Media reicht heute über Händler-Websites, Social Shops und Creator-Content. Welcher Agenturtyp den Kanal führen sollte – und warum der Blick auf die Kategorie entscheidet.

Schwarz-Weiß-Foto aus erhöhter Perspektive: ein einzelner Einkaufswagen nachts an der Kreuzung leerer Supermarktgänge, in einem Gang ein Smartphone auf einem Stativ, dazu ein kleines rotes Regaletikett.
Die Frage hinter diesem Artikel

„Retail Media wächst schnell: Sollte es bei unserer Media-Agentur liegen, bei einem Commerce-Spezialisten oder beim Performance-Team?“

Kurze AntwortRetail Media sollte strategisch bei der Agentur liegen, die die Kategorie des Kunden am besten versteht, und operativ bei der, die den besten Zugang zu Händlern und die stärksten Tools hat. Der Kanal reicht inzwischen über Händler-Websites, Social Shops und Creator-Content, daher gehört er keinem Agenturtyp automatisch. Unabhängige Agenturen gewinnen den Strategieplatz mit kontinuierlicher Intelligence zu Wettbewerbern und Shoppern, nicht mit Einkaufsmacht.

Das Wichtigste

  • Retail Media reicht heute über Händler-Websites, Social Shops und Creator-Content, deshalb gehört der Kanal keinem Agenturtyp automatisch.
  • Laut Digiday tauchte TikTok Shop bis Juni 2026 neben Amazon und Walmart in formellen Agentur-Ausschreibungen auf.
  • Strategie, Umsetzung und Messung von Retail Media müssen nicht bei derselben Agentur liegen – und im Agentur-Roster sollte festgelegt sein, wer wofür zuständig ist.
  • Wenn KI Umsetzungsaufgaben wie Bidding, Feeds und Reporting zusammenschrumpfen lässt, verlagert sich der Wert von Agenturen dahin, die Kategorie zu verstehen und das Briefing zu hinterfragen.
  • Unabhängige Agenturen können auch ohne Datendeals auf Holding-Niveau mithalten, wenn sie Wettbewerber und Shopper-Gespräche laufend im Blick behalten.

Wer sollte Retail Media verantworten: die Media-Agentur, der Commerce-Spezialist oder die Performance-Agentur? Die ehrliche Antwort im Oktober 2026 lautet: wer die Kategorie des Kunden am besten versteht. Denn der Kanal sitzt nicht mehr an einem Ort. Retail Media läuft heute ebenso über Creator-Content, Social Shops und Offsite-Zielgruppen wie über Sponsored Listings auf der Website eines Händlers.

Die Belege kamen diesen Monat. Der Media Agency Report 2026 von Digiday beschreibt Retail-Media-Netzwerke als „auf dem Weg, zu einem weiteren wichtigen Kanal für Creator-Partnerschaften zu werden“, und hält fest, dass TikTok Shop bis Juni 2026 neben Amazon und Walmart in formellen Agentur-Ausschreibungen auftauchte. Wenn eine Social-Plattform im selben Beschaffungsdokument steht wie zwei Händler, funktioniert das alte Organigramm nicht mehr.

Was hat sich bei Retail Media in diesem Jahr tatsächlich verändert?

Die meiste Zeit des vergangenen Jahrzehnts war Retail Media ein Suchkanal am unteren Ende des Funnels. Jemand aus Performance oder E-Commerce kaufte Sponsored Products ein, beobachtete den Return on Ad Spend und berichtete nach oben. Brand- und Media-Teams schauten kaum hin.

Drei Verschiebungen im Digiday-Report sprengen dieses Bild:

  • Creator sind eingezogen. Digiday verweist auf seine Umfrage aus dem ersten Quartal, in der 17 % der Befragten mit Influencern Content für Retail Media erstellten. Damit war Retail Media nach Social der am zweithäufigsten genutzte Kanal für Creator-Partnerschaften.
  • Datendeals machen es offiziell. Der Report verweist auf die Vereinbarung von Omnicom Media mit Meta, Kaufdaten von Walmart Connect mit Creator-Kampagnen auf Instagram zu verbinden.
  • Social Commerce wird eingekauft wie Retail. David Dweck, President von Go Fish Digital, sagte Digiday, seine Agentur habe viele Kunden verstärkt zu TikTok Shop gebracht, das er außerhalb von Amazon als „so etwas wie das zweitgrößte Retail-Medium“ sieht.

Zusammengenommen ist Retail Media kein einzelner Kanal mit einem einzigen Verantwortlichen mehr. Es ist ein Abschnitt des Funnels, in dem sich Suche, Social, Creator- und Shopper-Marketing überschneiden – und jede Agentur im Roster kann einen plausiblen Anspruch darauf erheben.

Welcher Agenturtyp sollte Retail Media verantworten?

Jeder Anwärter bringt echte Stärken mit, und jeder hat einen blinden Fleck. So schneiden die Ansprüche im Vergleich ab.

AgenturtypWas dafür sprichtBlinder FleckWas zu beweisen ist
Media-AgenturEinkaufsvolumen, Zielgruppenplanung, Beziehungen zu den Retail-Media-Netzwerken der HändlerBehandelt Retail Media als Inventar statt als Shopper-ThemaDass der Plan Abverkauf bewegt, nicht nur Reichweite
Commerce- oder Marktplatz-SpezialistKennt das digitale Regal: Listings, Bewertungen, Content, Preise, PromotionsSteht manchmal zu nah an einem Händler, um die ganze Kategorie zu sehenDass er über Händler und Social Shops hinweg planen kann
Performance- oder Search-AgenturGebotsmanagement, Produktfeeds, Disziplin in der MessungOptimiert auf das leicht Zählbare – und lässt Brand Search besser aussehen, als sie istInkrementelle Umsätze, nicht vom Händler gemeldete Returns
Creator- oder Influencer-AgenturContent, den Menschen wirklich ansehen, sicherer Umgang mit Social CommerceDünner aufgestellt bei Retail-Daten und HandelskonditionenDass Creator-Content am Regal konvertiert
Inhouse-MarkenteamVerantwortet die Händlerbeziehung und das Trade-BudgetZu wenig spezialisierte Talente und ToolsDass es den Kanal führen kann, ohne selbst zur Agentur zu werden

Auffällig ist, was in jeder Zeile fehlt: der Blick auf die Kategorie. Welche Wettbewerber wo investieren, worüber sich Shopper immer wieder beschweren, welche Claims längst alle machen. Wer diesen Blick mitbringt, bestimmt am Ende meist die Strategie – ganz gleich, was auf dem eigenen Türschild steht.

Warum gewinnt niemand Retail Media, indem er stillsteht?

Michael Porters Five Forces sind ein altes Business-School-Modell, erklären diesen Kampf aber gut. Der Gewinn in jedem Markt fließt dem zu, der das Knappe kontrolliert, und fünf Kräfte entscheiden, wer das ist: Rivalität, neue Anbieter, Substitute, Verhandlungsmacht der Abnehmer und Verhandlungsmacht der Lieferanten.

Wendet man es aus Agenturperspektive auf Retail Media an, ergibt sich folgendes Bild:

  • Die Lieferantenmacht ist hoch. Händler besitzen die Kaufdaten und das Inventar. Agenturen mieten den Zugang.
  • Die Rivalität nimmt zu. Fünf Arten von Teams konkurrieren inzwischen um dieselbe Budgetzeile.
  • Substitute sind im Kommen. Self-Service-Tools und KI-gestützter Einkauf bedrohen die Umsetzungsebene. Harry Browne von Tinuiti sagte Digiday: „Agentic Buying ist ein großes Thema, aber derzeit ziemlich unscharf definiert.“ Unscharf ist nicht dasselbe wie harmlos.
  • Die Abnehmermacht bleibt hoch. In Digidays Umfrage unter 30 Agenturprofis gaben 36 % an, dass die Mediabudgets ihrer Kunden 2026 stagnierten. Stagnierende Budgets bedeuten: Jeder neue Kanal wird finanziert, indem man jemand anderem Geld wegnimmt.

Deshalb ist Stillstand der stille Killer jeder Chance. Die Agentur, die sich weiter über den Kanal definiert, den sie einkauft, wird Retail Media nicht in einem einzigen dramatischen Review verlieren. Sie verliert es Budgetposten für Budgetposten – an diejenigen, die mit der schärferen Einschätzung der Kategorie kommen.

Wohin wandert der Wert von Agenturen, wenn die Umsetzung automatisiert wird?

Der französische Fachtitel Stratégies hat das in seinem Beitrag über eine neue Ära für Media-Agenturen auf den Punkt gebracht. Sanja Vlaisavljevic, die die Agentur Lift leitet, erwartet, dass KI einen Teil der Mediaumsetzung nach und nach verdichtet und den Wert von Agenturen weg von der Produktion selbst verlagert. Ihr Rezept, in unserer Übersetzung: das Problem verstehen, bevor man nach der Media-Antwort sucht, und ein Briefing hinterfragen können, statt es nur umzusetzen.

Bei Retail Media wird diese Verschiebung zuerst spürbar. Gebotsmanagement, Feed-Optimierung und Reporting sind genau die Aufgaben, die Software immer besser beherrscht. Wertvoll bleibt, zu wissen, warum ein Wettbewerber gerade seinen Creator-Content auf einem Marktplatz verdoppelt hat oder warum sich Shopper in einer Region immer wieder über dieselbe Packungsgröße beschweren.

Wie baut eine unabhängige Agentur eine glaubwürdige Position in Retail Media auf?

Sie brauchen keinen Datendeal auf Holding-Niveau, um mitzuhalten. Sie brauchen einen Blick auf die Kategorie, der aktueller ist als der aller anderen im Roster. Eine praktische Reihenfolge:

  1. Kartieren Sie, wo in der Kategorie tatsächlich verkauft wird. Listen Sie jeden Händler, jeden Marktplatz und jeden Social Shop auf, auf dem der Kunde und seine Wettbewerber präsent sind – auch die, die der Kunde ignoriert.
  2. Beobachten Sie Wettbewerber laufend, nicht quartalsweise. Verfolgen Sie deren Paid- und organischen Content auf diesen Flächen: Claims, Formate, Creator, Promotions und Timing.
  3. Lesen Sie, was Shopper sagen. Bewertungen, Kommentare und Creator-Threads zeigen, welche Spannungsfelder Käufe auslösen. Machen Sie daraus Suchbegriffe, Texte für Produktseiten und Creator-Briefings.
  4. Halten Sie die Zuständigkeiten schriftlich fest. Teilen Sie Strategie, Umsetzung und Messung im Roster explizit auf. Unklarheit führt dazu, dass Sie die Arbeit machen und jemand anderes die Lorbeeren erntet.
  5. Bestehen Sie auf inkrementeller Messung. Vom Händler gemeldete Returns sind nützlich, aber ein Netzwerk, das seine eigenen Hausaufgaben benotet, wird immer großzügig sein. Setzen Sie, wo möglich, Holdout-Tests durch.
  6. Berichten Sie über den Markt, nicht nur über den Spend. Eine monatliche Notiz dazu, was Wettbewerber getan und was Shopper gesagt haben, sichert Ihren Platz am Tisch besser als ein weiteres ROAS-Diagramm.

An den Schritten zwei und drei scheitern die meisten Teams, weil sie von Hand Tage pro Kunde kosten. Genau diese Lücke soll die Defy-Plattform schließen: Defy Monitor liefert für jeden Kunden und jede Kategorie laufend Live-Intelligence zu Wettbewerbern, Zielgruppen und Gesprächen, sodass der Blick auf die Kategorie vor dem Retail-Media-Meeting existiert und nicht erst danach.

Was sollten Sie einem Kunden sagen, der fragt, wer sein Retail Media steuern sollte?

Teilen Sie die Frage in zwei. Wer legt die Strategie fest, und wer übernimmt den Einkauf? Das muss nicht dieselbe Agentur sein.

Die Strategie gehört zu dem, der die Kategorie erklären kann: Wettbewerber, Shopper und die Claims, die noch zu haben sind. Die Umsetzung kann bei dem liegen, der den besten Händlerzugang und die besten Tools hat. Die Messung sollte bei jemandem liegen, der nicht von der Antwort profitiert.

Wenn Ihre Agentur nur die zweite Frage beantworten kann, arbeiten Sie jetzt auf die erste hin. Das Roster wird nicht auf Sie warten.

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Wie Defy hilft

Defy Monitor liefert Ihrem Team Live-Intelligence zu Wettbewerbern, Zielgruppen und Gesprächen für jeden Kunden und jede Kategorie, in der Sie arbeiten – das Rohmaterial jeder Retail-Media-Strategie.

  • Wettbewerbsbeobachtung: Paid Ads und organischer Content der Konkurrenz werden laufend verfolgt, nicht in einem Quartalsaudit.
  • Shopper-Spannungsfelder: Zielgruppengespräche, geclustert in Personas und Pain Points, aus denen Sie direkt briefen können.
  • Antworten auf Abruf: Mit Defy MCP stellen Sie den Daten in Claude Fragen – wie einer Kollegin oder einem Kollegen.
  • Nachvollziehbar: Jede KI-Schlussfolgerung verweist auf die echten Posts dahinter.

Wählen Sie einen Kunden, dessen Retail-Media-Budget gerade zur Disposition steht, und sehen Sie, wie seine Kategorie live kartiert aussieht.

Häufige Fragen

Was ist ein Retail-Media-Netzwerk?

Ein Retail-Media-Netzwerk ist Werbung, die ein Händler oder eine Commerce-Plattform auf den eigenen Websites und Apps verkauft – und zunehmend auch offsite –, ausgesteuert mit den eigenen Shopper-Daten des Händlers. Für Marken liegt der Reiz in der Nähe zum Kauf und in einem Reporting, das an Abverkäufe gekoppelt ist. Der Haken für Agenturen: Der Händler kontrolliert sowohl das Inventar als auch einen Großteil der Messung.

Sollte Retail Media bei der Media-Agentur oder bei einem Spezialisten liegen?

Teilen Sie es auf. Die Strategie bekommt, wer die Kategorie am besten erklären kann (Wettbewerber, Shopper und noch unbesetzte Claims), die Umsetzung, wer den besten Händlerzugang und die stärksten Tools hat, und die Messung bleibt bei jemandem, der nicht vom Ergebnis profitiert. Viele Agentur-Roster arbeiten informell bereits so. Wer es schriftlich festhält, vermeidet doppelte Arbeit und Streit darüber, wem der Erfolg zusteht.

Wie verändert Creator-Marketing Retail Media?

Creator werden Teil von Retail Media, statt nur daneben zu stehen. Der Media Agency Report 2026 von Digiday bezeichnet Retail-Media-Netzwerke als weiteren wichtigen Kanal für Creator-Partnerschaften und verweist auf die Vereinbarung von Omnicom Media mit Meta, die Kaufdaten von Walmart Connect mit Creator-Kampagnen auf Instagram verknüpft. Für Agenturen heißt das: Creator-Briefings, Produktseiten und Retail Search brauchen jetzt eine gemeinsame Sicht auf den Shopper.

Können unabhängige Agenturen bei Retail Media mit Holdings mithalten?

Ja – über Verständnis statt über Größe. Holdings können Datenpartnerschaften abschließen, die für die meisten Unabhängigen unerreichbar sind. Doch eine Retail-Media-Strategie hängt davon ab, Woche für Woche zu wissen, was Wettbewerber tun und was Shopper sagen. Eine unabhängige Agentur mit kontinuierlicher Kategorie-Intelligence kann dem Kunden eine schärfere Einschätzung liefern als eine größere Agentur, die mit Quartalsberichten arbeitet.

Quellen

  1. Digiday Media Agency Report 2026: How agencies adapt to a media landscape shaped by AI and creators — Digiday, 2026-10-05
  2. Une nouvelle ère débute pour les agences média — Stratégies, 2026-10-10

Warum wir das geschrieben habenWir haben das geschrieben, weil Planer immer wieder fragen, wohin sich Retail Media entwickelt – und der Media Agency Report von Digiday zeigt diesen Monat, wie der Kanal mit Creator- und Social-Commerce-Arbeit verschmilzt. Damit steht jeder Agenturtyp im Roster im selben Wettbewerb.

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